Die Psychosomatik der Suchmaschinenoptimierung

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placeboGestern hat die Süddeutsche in ihrem Magazin ein spannendes Thema aufgegriffen: den Einfluss der Psyche auf die Gesundheit. Das Fazit: wenn es uns psychisch gut geht, geht es uns auch physisch besser.
Wurden Überlegungen hierzu meist als Gutmenschengerede oder Esoterikquatsch abgetan, gibt es mittlerweile interessante Studien und wissenschaftliche Belege dafür, welch großen Einfluss Gefühle auf unsere Gesundheit haben.

Doch was hat das nun mit SEO zu tun? Nun, auch hier stehen wir oft einem Gebilde von Meinungen und Gefühlen gegenüber.  Allerdings fehlt diesen zumeist jegliche wissenschaftliche Grundlage. Google ist bekanntlich kein Mensch und lässt sich nicht wie unser Geist von Ideen und Emotionen verwirren.

Die wohl augenscheinlichsten Bezüge zur Psychosomatik im Bereich SEO sind:

1.    Viel hilft viel
2.    Der Placebo-Effekt
3.    Liebe verlängert das Leben

1. Viel hilft viel
Studien haben ergeben: je dicker eine Injektionsnadel ist, desto eher glauben die Probanten an die Wirkung des Medikaments. Tabletten müssen groß, teuer und bunt sein, um effektiv zu sein.

Das gleiche gilt für die Anzahl der indexierten Seiten des eigenen Webprojekts. Während SEOs sehr wohl wissen, dass das „Viel hilft viel“-Prinzip hier nicht zieht (siehe dazu: Indexation Cap), wissen die Entscheider in Unternehmen oft nichts von dieser Limitierung bei Google. Vielmehr ist hier das Gefühl verankert: wenn wir das Netz mit unseren Inhalten überschwemmen, dann werden wir auch siegen! Dass es absolut utopisch ist, in einem stark kompetitiven Markt das Netz durch reine Masse zu erobern, wird hier kaum berücksichtigt. Vielleicht funktioniert sowas noch in eher menschen- und damit website-leeren Regionen wie Norwegen, doch über die Nachhaltigkeit von Spam muss man hier wohl nicht mehr diskutieren.

Denn die Grenze zum Spam ist schnell überschritten, wenn unzählige Seiten produziert werden, die oft gar keinen Mehrwert bieten, nur, um für jeden Buchstaben im Alphabet ein Angebot zu haben. Auch, wenn man selbst als Unternehmen gar kein Angebot zum anvisierten Keyword hat. Und natürlich werden diese Seiten auch intern verlinkt, denn schließlich will man den „Longtail“ abgreifen, für jeden was bieten, immer präsent sein. Nein, es funktioniert nicht.

Am deutlichsten wird das, wenn man als Seitenbetreiber selbst nicht mehr weiß, welche Seiten man eigentlich veröffentlicht hat. Dies gilt nicht für Newsportale, die mit einer fast unüberschaubaren Menge an Informationen zu tun haben, die durch das Netz nachhaltig geworden sind und nicht mehr im Altpapier landen. Hier ist es erlaubt, nicht aus dem Stehgreif zu wissen, ob man zum Verkaufsboom von Fliegenfallen im oberfränkischen Rödental 1998 ein Notiz verfasst und online gestellt hat oder nicht.

Sobald man aber ein Unternehmen mit einem beschränkten Angebot betreibt, dann sollte man auch das Online-Angebot kennen. Denn diese Beiden sind zunächst deckungsgleich, wenn man nicht die redaktionelle, personelle und finanzielle Herausforderung auf sich nimmt, Mehrwerte zum Themengebiet in Form von Ratgebern, Blogbeiträgen oder News zu veröffentlichen. Doch diese Beiträge sind niemals automatisiert generierte Seiten, niemals.

Das Prinzip lässt sich natürlich auch auf das Keywordstuffing übertragen, ein derart alter Hut, dass ich überhaupt nicht drauf eingehen wollte, würden nicht immer wieder Artikel im Netz auftauchen, die dem noch SEO-unkundigen Mittelstandswebmaster genau das als Allheilmittel um die Ohren hauen. Besonders interessant wird das Thema auch bei größeren Sites, wenn man sich pro Seite nicht auf ein Keyword einigen kann, sondern gerne mehrere abdecken würde. Der Gedanke dahinter: „Wenn ich hier nur auf Katzenfutter optimiere, dann findet doch keiner diese Website, der nach Katzenkörbchen sucht… nein, das muss auch noch mit rein.“ Nein, muss es nicht. Aber wie gesagt: zu diesem Thema gibt es genügend gute Literatur in bekannten SEO-Blogs. Hier sollte man einfach nicht auf Ratgeber hören, die sich durch gefährliches Halbwissen auszeichnen. Diese erkennt man meistens daran, dass im Artikel ein Satz wie „…habe ich mich auch mal mit SEO beschäftigt und will hier mal kurz beschreiben, wie man SEO macht…“ vorkommt.

2. Der Placebo-Effekt
Zum Placebo-Effekt gibt es eine wunderbare Geschichte von Mark Twain. Mark Twain lag eines Nachts in einem Hotelzimmer und konnte nicht einschlafen, da es ihm im Zimmer zu heiß und zu stickig war. Im Halbschlaf nahm er entnervt einen Schuh zur Hand und warf ihn gegen das Fenster. Er hörte das Glas zerspringen und spürte sofort den kalten Lufthauch, der von draußen hereinkam. Er schlief auf der Stelle ein. Am nächsten Morgen sah er, dass er nicht das Fenster eingeschlagen, sondern einen Spiegel zertrümmert hatte. Im Zimmer war es nach wie vor heiß und stickig.

Leider gibt es diesen Effekt häufig bei größeren Unternehmen, wenn es um SEO geht. Während man bei SEM einfach Ausgaben und Einnahmen gegenüberstellen kann, ist SEO immer noch ein mystisches Etwas, das von einer Handvoll schräger Typen betrieben wird. Das Gefühl, das Richtige zu tun, kommt dann auf, wenn man eine Agentur damit beauftragt, das SEO zu regeln. Das Problem dabei ist jedoch: SEO ist nicht mystisch und es bedarf mehr als einem magischen Fingerschnipsen, eine Seite auf Vordermann zu bringen. Und hier ist die Agentur darauf angewiesen, dass SEO im Unternehmen den Stellenwert hat, den es haben sollte und dass Empfehlungen auch umgesetzt werden. Eine clevere Empfehlung mag wie ein Placebo eine beruhigende Wirkung auf die Geschäftsführung haben, eine Empfehlung kann jedoch bei Google, das sich wie gesagt nicht von Placebos beeindrucken lässt, nur Effekt erzielen, wenn sie auch umgesetzt wird. An diese Sache musste ich beim Seonauten denken, der in seinem Artikel zu Laufzeiten bei SEO-Verträgen sehr offen und mutig angesprochen hat: eine Zusammenarbeit in Sachen SEO ist für den SEO nicht einfach nur deshalb befriedigend, weil Geld fließt. Ein Auftrag ist nur dann befriedigend, wenn man auch etwas bewegen kann. Und wie gesagt: hier müssen Kunde und Agentur zusammenarbeiten. Alles andere sind des Kaisers neue Kleider.

3. Liebe verlängert das Leben
Last but not least: habt Euch lieb und Ihr lebt länger! Studien haben gezeigt, dass beim Streit mit dem Partner oder bei Stress mit dem Arbeitgeber das Blut dicker wird. Das ist evolutionär bedingt und war in Kampfsituationen sinnvoll. Heutzutage bedeutet es allerdings nur, dass man eher einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekommt. Ein Experiment hierzu: Probanten bekamen eine oberflächliche Verletzung zugefügt. Die eine Gruppe der Probanten durfte danach mit ihren Partnern zusammensein. Die zweite Gruppe musste sich mit ihren Partnern über ein Thema unterhalten, dass zwangsläufig zu Streit führte. Bei Gruppe zwei dauerte die Wundheilung fast doppelt so lange.

Zum Thema „Liebe und SEO“ fällt mir zu allererst Martin Mißfeldt und sein tagseoblog.de ein. Warum? Weil Martin genau das tut, was im Bereich SEO funktioniert: er gibt, ohne den direkten Reward im Auge zu haben. Denn genau das ist SEO: SEO ist nicht nur Technik, sondern Marketing, PR, Einsatz, Engagement, Herzblut und Kommunikation. Seine aktuelle Aktion „SEO-Valentinstag: Statt Blumen ein Link geschenkt!“ ist für den kurzsichtigen SEO auf den ersten Blick nichts Gutes: hier wird wild mit Follow nach außen verlinkt und das auch noch kommuniziert! Doch zunächst zu den Zahlen: wir haben hier eine Textmenge von 5209 Wörtern im Verhältnis zu 194 externen Follow-Links, das macht ein Wort-Link-Verhältnis von 26,8, d.h. ungefähr jedes 26. Wort ist ein Link. Das ist durchaus verkraftbar und hier zahlt sich der Fleiß von Martin aus, einen derart langen Text zu erstellen. Trotzdem ist eine solche Aktion aus SEO-Sicht sicherlich zunächst nicht das Beste, was man für die eigene Website machen kann. ABER: wir wissen auch alle, dass die wenigstens von uns ernsthaft mit ihren SEO-Projekten ranken wollen (da fällt mir ein: ich könnte mir auch langsam mal eine H1 zulegen…), sondern mit ganz anderen Dingen.

Was Martin hier schafft: er macht PR und zwar extrem erfolgreich. Und das schon die ganze Zeit, kontinuierlich, mit viel Einsatz und Kreativität. Wir alle wissen: er kann malen. Wenn es also einen Auftrag diesbezüglich gibt, kriegt er ihn. Wir alle lieben seine Speedpaintvideos und verlinken sie. Sein YouTube-Channel bekommt immer mehr Trust. Hier werden Kanäle aufgebaut, mit deren Hilfe man dann über Twitter, YouTube und sonstige Wege andere Dinge promoten kann, die einem wichtig sind. Und genau deshalb ist Martin für mich der SEO-Newcomer des Jahres, da ich denke, dass seine Arbeit eine der Besten in der SEO-Blogosphäre ist. So. Das musste mal gesagt werden :-) Doch was ich eigentlich sagen wollte, auch auf die Gefahr hin, mich ständig zu wiederholen: seht SEO als etwas Umfassendes, Integratives und Strategisches an! Kommuniziert mit potentiellen Linkpartnern fair und großzügig, lasst Euer Investment gerne größer werden, als der Gewinn zunächst rechtfertigt und seht SEO nicht durch die BWLer-Brille, sondern seid visionär – dann klappt das auch!

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Author: Astrid Kramer

2 Kommentare

  1. Wow, danke :-)
    Ich werde da morgen drauf eingehen ;-)

  2. Die Erklärung, bzw. diese Assoziation zum Thema SEO ist so interessant, weil das Leben sich in den Suchmaschinen in gewisser Weise widerspiegelt. Wenn wir gesund leben, psychisch und physisch, erhalten wir als Dank dafür eine langfristige Verbesserung unserer Lebensqualität. So ist es auch mit „gesunder“ Optimierung und einer menschenfreundlichen Vermarktung unserer Internetpräsenz. Diese erfährt bei psychisch und physisch gesunder Betreuung auch eine langfristige Verbesserung Ihrer Lebensqualität. Ich finde den Post sehr lehrreich.

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