Interviews zur SEOCruise 2013 | Part I

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Interviews zur SEOCruise 2013
Während wir alle der SEOCampixx entgegenbibbernfiebern und uns auf das Klassentreffen am See freuen, habe ich mal einige Speaker interviewt, die demnächst nicht nur am See, sondern auf hoher See sprechen werden! Wie das? Na, die SEOCruise 2013 steht an!

Daher hier ein paar Fragen an unsere Hochseespeaker (ich hatte den Speakern freigestellt, sich eine oder mehrere der Fragen auszusuchen – es ist eine klare Tendenz zu erkennen :D):

1. Landkrankheit ist ein putziges Phänomen: man hat sich so lange auf einem Schiff aufgehalten, dass bei der Rückkehr der feste Boden an Land zu schwanken scheint. Der Körper hat das Schwanken auf See als Normalzustand abgespeichert und ist jetzt überrascht, wenn alles still steht!
Hier sehe ich eine Parallele zum Online Marketing: wir beschäftigen uns so intensiv mit diesem Thema, dass es manchmal schwer fällt wahrzunehmen, dass der große Bereich Marketing mit TV Spots und Printanzeigen ja auch noch existiert – und sogar bedeutend größer ist als wir!
Wie gehts Dir dabei? Unterschätzt Du die Ausmaße von klassischem Marketing? Oder gehören alle anderen Disziplinen mit zu Deinem Daily Business? Wenn ja: wo und wie informierst Du Dich?

Karl Kratz: Online-Marketing ist in der Tat nur ein Kanal. Und dennoch liefert kein anderer Marketing-Kanal diese unglaublichen Möglichkeiten wie zum Beispiel der transaktionsbasierten Individualisierung in Echtzeit. Das Marketing als Management-Disziplin ist nach wie vor die wichtigste Grundlage für „unseren“ Job im Online-Marketing: Hieraus beziehen wir Ziele und Vorgaben, Rahmenparameter und Einschränkungen.

Nicole Mank: Informieren ist schwierig, gerade da Marketing meistens sehr individuell passieren muss. Ich verlasse mich leiber auf mein Bauchgefühl und „Optimierung“ der Prozesse im Laufe der Durchführung.

2. Über das Flagschiff Google wurde in der letzten Zeit viel geschrieben und diskutiert. Einige befürchten, dass Google überhaupt nicht mehr das Schiff ist, dass uns zu Information A oder B fährt, sondern das sich zu einer eigenen Insel entwickelt, auf der sich autark das gesamte Online-Leben abspielt. Was glaubst Du: wo geht die Fahrt hin? Oder fährt Google schon gar nicht mehr?

Karl Kratz: Google? Ich habe gerade das Gefühl, das Google testet, „wie schnell das Wasser erhitzt werden kann“. Die Einmischung in komplette Branchen-Prozesse hat nur noch wenig mit den Aufgaben einer Suchmaschine im klassischen Sinn zu tun; die Entwicklungen auf suchmaschinenfremden Feldern lassen den Eindruck zu, dass dieses „Internetz-Zeug“ zwar ganz lustig ist, aber das richtige Geld doch eher im Automobilmarkt zu finden ist. Es wird Zeit für ein, zwei gute Mitbewerber im Suchmaschinen-Segment.

Nicole Mank: Schwierig das einzuschätzen. Ich glaube meine Antwort ist mehr meine eigene Hoffnung als tatsächlich möglich. Wenn das passiert, wird sich Google hoffentlich nicht mehr lange halten können. Es wird immer mehr Webmaster geben die bei diesem Spiel nicht mitmachen und so Google die Grundlage entziehen: Woher bekommt Google dann die Inhalte? Die Nutzer werden (hoffentlich) abwandern und sich einer anderen Suchmaschine zuwenden. Vielleicht kommt es aber dank der Kartell-Ämter auch gar nicht so weit.

3. Auf einmal machen alle Content Marketing. Onliner, die man bisher fast ausschließlich mit Linkbuilding in Verbindung gebracht haben, schreiben jetzt über Content Strategien oder die Textoptimierung via WDF*IDF. Könnte man hier sagen: die Ratten verlassen das sinkende Schiff? Was ist Deine Meinung dazu?

Karl Kratz: Content Marketing. Tja. Content Marketing. Genau. Content Marketing. Wenn Du mit „Content“ Inhalte meinst, die sich zur Laufzeit an die Historie und das Verhalten von Lesern dynamisch anpassen und sich an der jeweiligen Konversionsphase ausrichten … also mehrdimensionale, daten- und regelgetriebene Informationselemente, dann bin ich bei Dir: Das ist geil und rockt. Texte mit Bildern und Strukturelementen dagegen sind ziemlich old-school und keyword-density-style.

Björn Tantau: Die Frage klingt, als würden sich Linkaufbau und Content Marketing gegenseitig ausschließen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.
Content Marketing ist schon immer ein Fundament im Linkaufbau gewesen. Mittlerweile haben allerdings mehr Leute kapiert, worauf es im Internet beim täglichen Kampf um Traffic wirklich geht – nämlich und die Inhalte! Je besser, aktueller, spektakulärer oder interessanter und hilfreicher diese Inhalte sind, desto eher kann man auf gezieltes (oder besser gesagt „manipuliertes“ Link Building) verzichten und sich eher um das Wesentliche kümmern. Die Links, auch wenn es abgedroschen klingt, kommen dann nämlich wirklich von allein. Und das klappt auch bei vermeintlich langweiligen Themen wie Versicherungen, Kredite oder Waschmaschinen. Problem: Es ist schwieriger und anspruchsvoller, sich eine saugeile Content Strategie auszudenken, als einfach ein paar Euro in die Hand zu nehmen und Links einzukaufen.

Jan Kutschera: ich sehe es andersherum. Ich komme ursprünglich aus dem Content-Bereich. Sowohl ein Studium der Publizistik als auch Arbeiten in Redaktionen und PR-Abteilungen gehören zu meinem Lebenslauf. Das Linkbuilding war ja „nur ein billiges Mittel zum Zweck“. Umso erfreuter bin ich, dass ich mich wieder mit Inhalt und Menschen beschäftigen kann, statt mit Crawlern und Algorithmen. Daher ist es für mich eher ein Weg zurück zu den Wurzeln und zu dem, was ich vielleicht im Linkbuilding nicht immer unbedingt vertreten konnte – dort wird eben nicht für den Menschen produziert.
Problematischer sehe ich eher, dass Content Marketing als die Alternative zum Linkbuilding gesehen wird. Das ist meines Erachtens einfach falsch. Das, was die meisten jetzt machen, ist Linkbuilding mit Content Marketing zu etikettieren und statt dem Link den Artikel mit dem Link zu verkaufen. Das ist weder eine Strategie noch ist es nachhaltig. Die andere Seite ist, dass wieder mehr Inhalte online gestellt werden ohne Qualität und ohne Sinn, geschweige denn einer Strategie.
Der wichtigste Teil, die Kreation und die wirkliche Strategie sowie die Definition der Ziele (außer Links bekommen), ist meistens nicht dabei. Dabei zeigt uns der Marketing-Bereich schon seit mehr als 100 Jahren, wie man mit Inhalten seine Ziele erreichen kann. Das, was die SEO-Szene lernen muss, ist, dass SEO ein Werkzeug ist und sich einordnen muss neben allen anderen Werkzeugen des Marketings. Content Marketing ist nicht das neue SEO. SEO ist ein Instrument, das ich neben vielen weiteren beherrschen muss, um es im richtigen Zeitpunkt während der Symphonie erklingen zu lassen. Denn nur wenn alle richtig zusammenspielen und jeder seinen Platz im Orchester einnimmt, geht auch eine Onlinestrategie auf.
Während Linkbuilding, SEA, Display, Affiliate, Pressearbeit etc. Instrumente sind, ist Content Marketing dabei eher als eine Melodie zu verstehen. Wichtig ist die Komposition. Der Dirigent ist dann nur noch derjenige, der am Ende alles zusammenhält und den Projektmanager spielt. Mit Content Marketing hat allerdings wdf*idf genauso wenig zu tun, wie der Satz des Pythagoras mit Beethovens neunter Symphonie.

Stefan Fischerländer: Seriöses SEO war noch nie „nur Linkbuilding“ und nie „nur Content-Markting“. Genau das war und ist ja das spannende an diesem Business. Wenn wir heute eine Renaissance des Content-Marketings erleben, heißt das nur, dass einige Kollegen die Grundlagen wiederentdecken – offenbar aufgeschreckt von Panda und Penguin.
Deshalb: Das SEO-Schiff wird nur für die untergehen, die einseitig auf hippe Themen setzen und die Grundlagen missachten.

Nicole Mank: Diese analogien zur SEO-Cruise gefallen mir von Frage zu Frage besser ;). Sinkendes Schiff: Nein, Linkbuilding ist (inoffiziell) natürlich noch immer ein Thema. Allerdings liest Google natürlich mit und es gibt Dinge die daher Öffentlich unerwähnt bleiben. Die Entwicklung Richtung Contentmarketing finde ich spannend und mit klassischem SEO durchaus vereinbar.

Thomas Mindnich: ich sehe noch nicht wirklich, dass sich SEO in der letzten Zeit starkverändert hat. Um in deiner Metapher zu bleiben: Es mag aber schon so sein, dass die Ratten in letzter Zeit ein wenig aufgeregter herumlaufen.
Schon immer sind viele Onliner (ob Selbstständige oder Companys) auf Trends schnell auf- und abgesprungen. Ebenso verbreiten sich get-rich-quick Konzepte ja auch nach wie vor erschreckend schnell in der Community.
Dabei gab und gibt es viele SEOs mit ganzheitlichen Ansätzen und Augenmerk auf sämtliche Teilbereiche. Und so ist Content Marketing doch genauso wenig neu wie WDF*IDF-Texterstellung (wenn man mal davon absieht, dass bislang auf dem Markt keine Tools vorhanden waren).
Wie viele aktuell Neuangekommenen die Konzepte jetzt dauerhaft integrieren oder nur nach einem Strohhalm greifen, vermag ich allerdings nicht einzuschätzen.
Was mir aber immer stärker auffällt, ist die unfiltrierte Übernahme von ungeschriebenen Gesetzten und Regeln im SEO ohne dass für die meisten echte objektive Belege vorliegen oder gar das Zusammenspiel mit anderen Rankingfaktoren betrachtet wird.
In meinem SEOCruise Vortrag werde ich unter anderem einige der Selbstüberlistungen im Kopf mancher SEOs vorstellen. Am Ende des Tages erfordert das SEO-Schnellboot ja nicht nur die schnelle Adaption neuer Konzepte und Verfahren, sondern auch die dauerhafte Beschäftigung mit diesen und Untersuchung dieser.

4. Wer SEO macht, sitzt im Schnellboot. Zumindest war das unsere Wahrnehmung die letzten Jahre. Während große und schwerfällige Schlepper gaaaanz langsam von A nach B reisen, heitzen wir mit Höchstgeschwindigkeit los und umfahren dabei beim Slalom die Bojen, die Google spontan gesetzt hat. Doch irgendwie ist unsere Ziellinie immer schwerer zu sehen… Platz 1 above the fold? Nicht sicher! Von daher: wo siehst Du unsere Zukunft? Und was glaubst Du: welche Art Schiff wird die Online Marketing Gewässer in den nächsten Jahren dominieren? Die SEA-Yacht, der Display-Kreutzer, die Facebook-Aida oder doch unser SEO-Außenborder?

Karl Kratz: Die Zukunft im SEO? Eine Möglichkeit: Google intensiv so zu nutzen, wie sich Google das eigentlich nicht vorgestellt hat. Aber dazu mehr auf einer der nächsten Konferenzen. :)

Christian Kunz: Wie man ja am Beispiel der zunehmenden Bedeutung sozialer Medien schön sehen kann, muss man auf immer mehr Hochzeiten tanzen, um im Online-Marketing dauerhaft Erfolg zu haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass es mit einem Boot (oder Schiff – je nach Größe) nicht mehr getan sein wird. Um im Bild zu bleiben: Wer auch in Zukunft oben mit schwimmen will, der braucht eine ganze Flotte, bestehend aus langsamen und beständigen Frachtern, die wertvolle Inhalte mit Mehrwert transportieren, mit Schnellboten, die auch mal kurzfristig in die eine oder andere Richtung manövrieren können, um Möglichkeiten am Rand abzugrasen und auch ein Kommandoschiff, auf dem alle Maßnahmen zusammenlaufen. Wünschenswert wäre noch Luftunterstützung, um frühzeitig neue Trends erkennen und melden zu können.

Ron Hillmann: Die SEA-Schlacht besitzt als Strategie die höchste Priorität für junge Firmen. Schnell an den Markt und Kunden binden. SEO ist strategisch bei gestandenen Firmen zum Gewinnen von Kunden noch interessant. Hier setzt man sich gegenüber dem Wettbewerb noch ab und hat den „Sack voll“ mit Kunden, wenn Google den organischen Index nur noch als Backfill nutzt. Facebook bzw. ganz Social ist ein Treiber bei Publikumsprodukten grosser durchfinanzierter Firmen, die den gesamten Mix samt Display fahren und dabei Daten generieren, die dann auch wieder Dashboards im Einsatz rechtfertigen. Bei Social sind es dann die plug-ins bwz. Apps, die User samt Kundendaten auffangen. Bei Display kommt die Mediaplanung samt RTB und Filter – man spricht von Audience Buying. Ich plane nur noch mit einem Horizont von 6 Monaten das Online Marketing Team.

Nicole Mank: Ich setze auf den Brand-Kutter. Markenkommunikation wird einfach ein riesen Thema. Wer das ordentlich angeht und alle Kanäle gut bedient, wird vor keinem Update zu fürchten haben.

Ich danke den Speakern Thomas Mindnich, Karl Kratz, Nicole Mank, Ron Hillmann, Christian Kunz, Stefan Fischerländer, Jan Kutschera und Björn Tantau für die tollen Antworten – you rock! Wir sehen uns auf/am See!
Ich hatte nicht von allen Speakern die Mailadresse, also wer hier fehlt und gerne noch was zu sagen hätte – immer her damit! :) Auch stehen noch ein paar Antworten aus… demnächst also meer!

Hier gehts zum zweiten Teil…

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Author: Astrid Kramer

1 Kommentar

  1. Toller Beitrag. Ich wünschte ich wäre vor Ort gewesen!

    lg

    wolfgang jagsch

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