Neuromarketing ist unethisch!

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Ist Neuromarketing unethisch?

Ist Neuromarketing unethisch?

Oder doch nicht?

Wer sich mit Neuromarketing beschäftigt, ist sicherlich schon über den Podcast Brainfluence von Roger Dooley gestolpert. Heute habe ich mir eine spannende Folge mit dem Philosophen James Garvey angehört: Ep #102: The Hidden Persuasion Industry, bei der unter Anderem der Frage nachgegangen wird: ist Neuromarketing unethisch?

Dass das nun kein Sachverhalt ist, der einfach mit Ja oder Nein zu beanworten ist, ist klar. Spannend sind jedoch die Thesen, die in diesem Zusammenhang vom Gastgeber und James Garvey aufgestellt werden.

These: „Honesty and integrity are by far the most important assets of an entrepreneur.“ (Zig Ziglar)
Integrität ist also der Schlüssel zum ethischen Marketing. Nun ist dieser Sachverhalt möglicherweise, laut Roger Dooley, nicht sehr fraglich, wenn wir es durch Marketing zum Beispiel schaffen, jemanden zur Altersvorsorge zu überreden (die er wirklich braucht, zu guten Konditionen) oder wir aufgrund von Marketing sorgfältiger auf die Umwelt achten, den Müll trennen etc. Kurz: die Marketingmaßnahme schafft eine Win-Win-Situation für Kunden und Verkäufer.

Was ist nun aber, wenn wir beispielsweise einer Frau ein Topfset andrehen, dass sie sich de facto überhaupt nicht leisten kann und das sie woanders zu einem bedeutend geringeren Preis erhalten würde?
Zig Ziglar argumentiert hier, dass dennoch eine Win-Win-Situation bestünde, solange der Erwerb für die Frau eine Steigerung ihres Selbstbewußtseins und damit ihres Wohlbefindens bedeutet.

Gegenthese: „Creating desire in other peoples mind is the way to bring happiness in their lifes. I sympathize with that. But: there is too much of this in our lifes! A lot of desire is created for things we don’t need. And we might be better served getting away from an idea of happiness that means owning stuff.“ (James Garvey)

Das Problem hier: wenn ich mit einer Werbebotschaft konfrontiert bin, die mir suggeriert, dass mein Leben durch das beworbene Produkt besser wird (und es sich de facto dann für mich auch so anfühlt) – why not. In der Realität sind wir jedoch mit tausenden Botschaften dieser Art konfrontiert. Diese Masse an Verheißung führt wiederum dazu, dass man unzufrieden ist, da man die Jagd nach dem Glück niemals erfolgreich abschließen kann. In diesem Punkt sind sich Garvey und Dooley einig.

Wie seht Ihr das? Ist Neuromarketing an sich unethisch? Oder lässt sich das auf das gesamte Marketing übertragen? Oder ist eine Pauschalisierung hier nicht möglich?

Der Podcast beschäftigt sich des Weiteren mit den Kritikern des Neuromarketings, die sich laut Dooley in zwei Extreme unterteilen lassen: Diejenigen, die davon ausgehen, dass die Werkzeuge (und damit die Erkenntnisse) des Neuromarketings unseriös und nicht belastbar sind und die Neuromarketing daher als Scharlatanerie abtun. Und die Gegenseite, die die Instrumente des Neuromarketings und die daraus gewonnenen Erkenntnisse für so mächtig hält, dass die Manipulation des Konsumenten und die Einschränkung seines freien Willens ein nicht vertretbares Ausmaß angenommen hat.

Neuromarketing: Scharlatanerie oder gefährliche Manipulation?

Für James Garvey ist der Knackpunkt nicht, in wie weit aktuelle Untersuchungen oder Ergebnisse heute schon valide oder nicht valide sind. Vielmehr ist die Entwicklung in eine Richtung, in der wir mehr und mehr über Konsumenten und ihre (unbewußte) Motivation erfahren, klar vorgezeichnet und nicht aufzuhalten. Hier gilt es nun, sich im Vorfeld darüber klar zu werden, bis zu welchem Punkt wir Konsumenten als Teil einer Marketingstrategie und nicht als freie Individuen betrachten. Wenn wir dort hinkommen, Menschen als Objekte und nicht als freie Akteure zu betrachten, dann sind wir definitiv auf der dunklen Seite angekommen.

Doch bedeutet das nun: nicht Waffen töten Menschen – Menschen töten Menschen? Liegt die Verantwortung einfach beim Marketer selbst und das Neuromarketing ist nur ein weiteres Werkzeug im Marketing-Baukasten? Oder brauchen wir verschärfte Waffengesetze (um mal in diesem Bild zu bleiben), da mögliche Kolateralschäden nicht mehr kontrollierbar sind? 

Was meint Ihr dazu?

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Author: Astrid Kramer

2 Kommentare

  1. Toller Beitrag. Bin froh, dass ich auf deinen Blog gestoßen bin. Warum postest du aktuell nichts mehr?

  2. Hi Thomas, dank Dir! :) Die Erklärung findest Du im Logo :D Aktuell fehlt mir dank Baby etwas die Muse zum Schreiben, aber ich habe fest vor, das wieder zu ändern!
    LG, Astrid

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