SEO für Offliner

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SEO-OfflinerImmer wieder fällt mir auf, dass Personen, die sich mit SEO beschäftigen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Oder anders ausgedrückt: SEO vor lauter SEO nicht mehr sehen. Das liegt unter Anderem daran, dass Suchmaschinenoptimierung ein durchaus komplexes Thema ist, bei dem Aspekte der Inhaltsgestaltung, der Verlinkung, der Informationsarchitektur, des Designs, der Nutzererfahrung und dem ganzen anderen Online-Nerd-Internet-Whatever-Rest zu beachten sind. Da kann man schon gerne mal den Überblick verlieren.

Aus diesem Grund habe ich mir überlegt, SEO einmal in die Offline-Welt zu transportieren und an folgendem Beispiel deutlich zu machen, worum es eigentlich geht:

Euer Laden

Euer Baby, Euer Geschäft, Eure Lebensgrundlage. Ihr liebt ihn, auch wenn das vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Denn die Innenarchitektur habt Ihr einer Firma (1) überlassen, die Euch etwa einen Tag pro Woche zur Verfügung steht, aber den Schlüssel zum Werkzeugraum (2) mitgenommen hat. Euer Sortiment ist erstaunlich umfangreich (3), aber eigentlich habt Ihr selbst nicht so richtig die Ahnung, was Ihr alles im Angebot habt. Dafür lagern die Waren auf insgesamt 8 Stockwerken (4) in tausend verschiedenen Regalen, von denen die oberen Fächer leider nicht erreichbar sind (5). Trotzdem seid Ihr natürlich extrem stolz auf Eure Waren und die guten Preise, die Ihr anbieten könnt.

Leider weiß aber niemand, was für gute Angebote Ihr habt (6) und das wollt Ihr ändern! Endlich sollen Kunden in Euren Laden im Industriegebiet kommen, der in einem Hinterhof versteckt liegt und dessen Adresse in keinem Navi ersichtlich ist (7). Es ist leider etwas hinderlich, dass Eure Eingangstür nicht zu finden ist, denn die Wegweiser zeigen auf den Seiteneingang (8), welche sich wiederum nur extrem schwerfällig öffnen lässt (9). Ist der Kunde dann aber mal drin, steht er vor einem Wegweiser, der alle 12.458 Produkte aufführt, die Ihr habt. Leider ohne Angabe des Stockwerks, indem man die Produkte findet, ohne Zuordnung der einzelnen Produkte in Warengruppen (10) und natürlich auch ohne Angabe, um was für Produkte es sich eigentlich handelt (11).

Wenn ein Kunde zufällig etwas gefunden hat, was ihm gefällt und sich zudem den Weg bis zur Kasse (Etage 11, links, dritter Gang, hinter den Winterjacken und den Gartenmöbeln) zusammengesucht hat (12), stellt Ihr fest, dass Ihr leider keine Karten akzeptieren könnt und kein Wechselgeld parat habt (13). Der Kunde zieht unverrichteter Dinge ab und Ihr seid verzweifelt: warum klappt das denn nicht?

Aber jetzt habt Ihr von einem Allheilmittel gehört, dass alles ändern wird:

Wegweiser! (14)

Ihr stellt überall, in der ganzen Stadt, Wegweiser auf. Alle zeigen auf Euren Laden. Die Schaufenster anderer Läden und Privathäuser sind geschmückt mit Wegweisern zu Eurem Geschäft. Und wirklich: die Kunden kommen. Da soll noch einmal einer sagen, Wegweiser wären ein Mythos – es funktioniert!

Im Online-Marketing nennt man das: Linkbuilding.
Mein Kollege Johan würde sagen: Doping für ein totes Pferd.

Denn der Kunde, der dem Wegweiser gefolgt ist, landet nunmal nicht im Einkaufsparadies, sondern in Eurem Laden. Und was das bedeutet, kann man im Abschnitt „Euer Laden“ nachlesen. Wenn er wirklich die Seitentür aufgestemmt und sich seinen Weg in Etage 11 gebahnt hat, dann wird er immer noch nichts kaufen. Wie gesagt: sollte er je bis zur Kasse gekommen sein…

…natürlich lasst Ihr Euch davon nicht entmutigen, denn es gibt ja noch eine zweite, neue, ultrastarke Geheimwaffe:

Parties, Feste, Veranstaltungen, Tanzcafés (15)

Ganz genau. Ihr mietet den Gemeindesaal und schmeißt eine richtig fette Party mit allem Drum und Dran! Na gut, die Pappbecher kommen nicht so gut an und auch die Tatsache, dass Ihr eigentlich mit niemandem redet, sondern nur Reden führt, ist auch ermüdend. Leider trifft Eure Musikauswahl nicht den Geschmack Eurer Zielgruppe, denn ehrlich gesagt, kennt ihr die garnicht. Und die Deko, die nur aus Wegweisern (14) besteht, macht auch nicht so viel her. Egal: einige sind betrunken genug und stehen mitten in der Nacht vor Eurem Laden. Ach so, der Laden…

Im Online-Marketing nennt man das: Social Media Optimization.
Shakespeare würde sagen: viel Lärm um Nichts.

Und ich würde sagen: kümmert Euch um Euer Baby! Vergesst die Wegweiser und die Parties und räumt Euren Laden auf! Gestaltet ihn ansprechend und zugänglich, sortiert Eure Waren sinnvoll und legt sie so aus, dass Jeder dran kommt! Und dann, wenn alles funktioniert, fangt an mit SEO!

Ach nein, das habt Ihr dann ja schon getan.

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(1) externe Webagentur / Programmierer
(2) Quelltext / Webmastertools / Analytics
(3) Keywordräume bestimmen
(4) Verzeichnistiefe und Informationsarchitektur
(5) Accessibility
(6) PR und Marketing
(7) .htaccess, URL-Design und wieder: Informationsarchitektur
(8) interne Verlinkung: /home vs. Hauptdomain
(9) Performance
(10) Informationsstruktur
(11) Wording
(12) Usability
(13) Conversion Optimierung
(14) Linkbuilding
(15) Social Media Optimization

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Author: Astrid Kramer

20 Kommentare

  1. LOL und WOW – klasse geschrieben. Das trifft es aus meiner Sicht den Nagel voll auf den Punkt!

  2. Genau, Geschichten, die das Leben schreibt, sind die besten. Sehr schöner Artikel!

    Wie gut, daß ich nichts zu verkaufen habe, da brauch ich gar nicht erst den Laden aufräumen, sondern kann gleich zur Phase zwei (SEO) übergehen :-)

  3. Hat tatsächlich Spaß gemacht ;)

  4. schöne metapher!

    gebannt – gebahnt

    wer nur hat lust und kraft aufzuräumen?

    ;-)

  5. Hallo,

    Mund-zu-Mund-Propaganda wäre noch zu erwähnen. Im realen Leben sowieso, neudings aber auch im Internet die beste Möglichkeit, schnell einen Laden bekannt zu machen…

    Grüße

    Gretus

  6. Sehr schön geschriebener Artikel. Trifft leider für viel zu viele Shops zu.
    Zum Shop findet man oft recht gut, aber dann wars das auch schon.

  7. Wirklich super!! Toller Beitrag mal wieder…

  8. Hihihi sehr gut, sehr treffend.

  9. Gelungener Artikel :-) Finde besonder den Teil mit der Party gelungen :-)

  10. Sehr schöner Artikel. Und das schlimme daran ist, dass die meisten Reiter gar nicht erkennen, dass ihr Pferd halbtot ist. ;-)

  11. Cooler Artikel.

    Johan in einer Reihe mit Shakespeare genannt. Das ist Luft unter den Flügeln meiner Hybris. ;)

  12. Hi Astrid, genialer Artikel!

    Besonders Parties kommen ja immer gut an -> siehe z.B. PubCon :-D

  13. Super Artikel. Danke. Danke. Danke.

    Kannst Du den jetzt noch bitte auf Englisch übersetzen? :-)

  14. Schön geschrieben … Aber beim Social Media Marketing geht es nicht darum eine Party zu veranstalten, sondern dahin zu gehen wo bereits eine Party stattfindet von Leuten mit deinen Themen.

  15. Klasse geschrieben, meine Hochachtung. Dumm nur dass ich mich und „mein Baby“ punktuell wiedererkenne :-)

  16. Großartig, ich druck das mal aus und lege es ein paar Leuten hier auf den Tisch!

  17. klasse artikel! bin tief beeindruckt davon. ein kompliment von mir.

  18. Sehr schöner Artikel. Der kreativste SEO-Fingerzeig im Jahr 2010, wird gebookmarkt und morgen verlinkt :-)

    Hoffentlich haben die restlichen (selbsternannten) 670e+23 Millionen SEOs deinen Beitrag auch gelesen und verstanden.

  19. SUPER geschrieben und so nah an der Realität.

  20. „Endlich sollen Kunden in Euren Laden im Industriegebiet kommen, der in einem Hinterhof versteckt liegt und dessen Adresse in keinem Navi ersichtlich ist“ – super Vergleich! Das Thema kann man immer weiter spinnen….Was wäre z.B., wenn Google Offline-Links erfassen würde: http://www.gutefrage.net/video/so-misst-google-offline-links-1teil ?

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