SMX-Recap die Siebenundvierzigste

by Astrid Jacobi 25 April 2009 4 Comments

Spät, aber gewaltig nun auch ein paar Worte von mir zur SMX 2009. First of all: es war großartig, oder um es mit den Worten von Marcus zu sagen: SMX rocked my socks! Das habe ich vor allem Tekka und Seodeluxe zu verdanken, die einen bahnbrechenden Entertainmentfaktor an den Tag legten. Doch neben viel Spaß gab’s ja auch wertvolle Infos, also mal ein kurzer Blick auf die Vorträge und das, was davon übrig blieb:

SMX Day One

Das Inhouse-SEO-Panel wurde von Jürgen Schlott von Focus eröffnet. Durchaus sympathisch fand ich an dem Vortrag, dass gewisse Problematiken wie der temporäre Ausschluss aus dem Index sehr offen angesprochen wurden. Deutlich wurde schon hier, wie schwierig das Thema SEO in einem großen Unternehmen ist (wir alle kennen das div-Trauma von Jens Fauldrath. Nun, er ist nicht alleine). Die klassische Problematik Redaktion-SEO wurde noch einmal unter die Lupe genommen, allerdings lag hier der Fokus nicht auf dem Klassiker H1, sondern auf dem Fakt, dass man aus rechtlichen Gründen redaktionelle Printarktikel aus dem Archiv nicht nachträglich verändern darf. Na gut, wobei wir doch wieder bei H1 wären… auf jeden Fall verdeutlichte der Vortrag noch einmal das Spannungsverhältnis zwischen Journalismus und SEO. Die Tatsache, dass bei der SMX viele Referenten aus dem Zeitungsumfeld kamen zeigt aber auch, dass sich dieses Spannungsverhältnis verändert und das Thema SEO immer mehr in den Verlagen ankommt.
Matthias Weth von Autoscout24 verwies in seinem Vortrag auf die Wichtigkeit der Integration von SEO in den Konzern. Dieses Thema wurde auf der SMX häufiger aufgegriffen: SEO muss mit den Stakeholdern zusammenarbeiten, sich integrieren und das eigene, kleine SEO-Universum in sofern verlassen, dass die Kommunikation mit den Fachabteilungen funktioniert. Ich denke, das ist für jeden InhouseSEO ein wichtiges Thema: natürlich ist man selbst derjenige, der von SEO die meiste Ahnung hat. Man muss aber immer bedenken, dass die Arbeit der anderen Abteilungen ebenfalls mit viel Herzblut gemacht wird. Jemandem einfach zu sagen: “Das geht so nicht, wie Du das die ganze Zeit gemacht hast. Mach das jetzt anders!” führt nicht zur fruchtbaren Zusammenarbeit. Kurzes Fazit dazu: auch ein SEO braucht verdammt gute Soft Skills!
Daniel Haneberg von sueddeutsche.de verdeutlichte diese Herausforderung eines InhouseSEO noch einmal: als SEO braucht man verdammt viel Mut, denn es kann sein, dass man die gesamte Infrastruktur der Seite über den Haufen werfen muss. Wie gesagt: mit viel Fingerspitzengefühl und Geduld ist InhouseSEO machbar, nicht mit der Brechstange!
Den Faktor Geduld hob Christoph Burseg von The Reach Group in seinem Vortrag hervor: beim InhouseSEO geht es darum, die Low-Hanging-Fruits zu identifizieren und zu pflücken, will sagen: der InhouseSEO setzt sich kleine, erreichbare Ziele. Deren Erfolg öffnet Türen für das weitere Vorpreschen. Step by Step lässt sich so InhouseSEO erfolgreich verwirklichen. Burseg nannte das das SHTD-Prinzip (“Spatz-Hand-Taube-Dach”) – sehr schön!
Die Keynote Search isn’t Search von Stefan Weitz (MSN) hatte durchaus ernüchternde Elemente, die zeigen, welches Entwicklungspotential noch für Suchmaschinen vorhanden ist: die User erwarten bei der Nutzung von Suchmaschinen Enttäuschungen. Die Search Queries werden immer länger, die zurückgelieferten Ergebnisse jedoch nicht proportional dazu relevanter. Hier gibt es für Suchmaschinen noch viel zu tun. Doch neue Features oder gar neue Suchmaschinen haben es schwer, denn auch das enttäuschende Suchverhalten ist ein gelerntes Verhalten. Wird der User zum Verändern seines Handelns und damit zu Neuerlernen gewisser Techniken gezwungen, ist die erste Reaktion meist Ablehnung.
Spannend fand ich die offenen Fragerunden an die SEO-Allstars bei WOTR, wobei ins Auge fiel, dass das Publikum kaum Interesse an klassischen Whitehat-Themen hatte ;-). Zum Thema Blackhat äußerten sich die SEO-Größen Marcus Tandler, Bob Rains, der atemberaubend stylische Mikkel Svendsen, Rand Fishkin, Fridaynite und Sistrix jedoch einhellig: während Blackhat früher einfach nur bedeutet hat, dass man die Webmaster Guidelines nicht beachtet, wird der Markt heute von Hackern bestimmt, die durchaus illegale Dinge tun. Dies sollte nicht mit Blackhat im eigentlichen Sinne zusammengeworfen werden. Wobei die Aussicht auf Blackhat 2009/2010 doch andere Schlüsse zulässt, denn das Ziel wird verstärkt sein, Links von Seiten zu kriegen, von denen man nie einen kriegen würde. Hier von offenen Proxies auf Hacker zu kommen ist nicht zu schwer…
Eine der wichtigen Fragen war auch hier: was kann Google wirklich filtern und was ist nur Public Relations? Im Panel war man sich einig, dass Links von Expired Domains entgegen einiger Artikel zum Thema durchaus funktionieren. Google verbreitet gerne, dass es alles automatisch erkennen kann, die Tatsachen sprechen dagegen.
Eins meiner Lieblingszitate dieses Panels:
Bob Rains: I admit. I’ve done both.
Rand Fishkin: You have done whitehat?
Was man sonst noch mitnehmen konnte? Eine Geschlechtsumwandlung bringt Links, es gibt YouTube-Videos, die man nicht nachmachen sollte und in Dänemark gibt’s Pornos im Free-TV.
Weiteres zum Thema Linkbait: Erfolgreiche Beispiele sind “Will it blend?” und “Date a unicorn”, wobei die Aussicht ist, dass diese Art Linkbait in Amerika nicht mehr funktioniert, da die User die Jagd auf Links als solche erkannt haben. Bei uns könnte das noch funktionieren, das Problem in Deutschland ist aber ein Anderes: hier gibt es kaum eine funktionierende, nicht link-geizige Blogosphäre. Linkbait funktioniert in Deutschland auf der Negativ-Schiene, also z.B. über Abmahnungen (wir alle kennen das Beispiel). Durchaus traurig, meiner Meinung nach…
Klassisches Streitthema war man wieder der PageRank: ist völlig überschätzt und keiner braucht das. Aber wenn man einen PR 8 hat, dann ist das, als ob man “mit soo einem Ding in der Hose durch die Disse läuft.” Tja ;-)
SMX Day Two
Einer meiner Lieblingsreferenten, Jens Fauldrath, ließ das Informationswissenschaftlerherz wieder höher schlagen. Was ist SEO? Baut die relevanteste Seite zum Thema. Tja, was kann man mehr sagen? Natürlich hatte Jens mehr zu sagen ;-) Er beschrieb unter Anderem das Relevanz-Paradoxon: Backlinks gibt’s auf die Startseite, die Unterseiten, also Artikel, bekommen kaum welche, obwohl diese relevant fürs Thema sind. Die Herausforderung ist also hier, die passenden Deeplinks zu kriegen.
Noch einige abschließenden Worte der SEO-Allstars:
Marcus Tandler: das Snippetdesign beachten! Das Snippet ist die Visitenkarte der Site in den SERPs und trotzdem wird gerade hier oft nicht der Augenmerk draufgelegt, der vonnöten wäre.
Weitere Zitate zum Thema Linkkauf und Expired Domains verkneif ich mir jetzt und schiebe lieber noch ein paar Fotos von SEOdeluxe nach:

Wie gesagt: der Jens hat die Haare schön *g*

Weitere Recaps:
Seodeluxe
Tekka
mediadonis
Alexander
Flo
Pascal
Stefan
Eric
SEOunited haben bei Twitter eine schöne Sammlung der Recaps

4 Kommentare »

  • Seodeluxe said:

    Hat sich auf jeden Fall gelohnt die SMX. Wir sehen uns dort also spätestens nächstes Jahr wieder.
    P.S. War ich nicht mal in Deiner Blogroll drin?
    Marcell aka Seodeluxe

  • Nerd in Skirt said:

    Ah klar, Blogroll – das ist was für Papi! Bist drin, Alder *g*

  • Tekka said:

    Danke für die Blumen! Waren echt 2 coole Tage!

  • jens said:

    Vielen Dank für die Blumen! Und nächstes Jahr werden wir Dich doch hoffentlich auf einem Panel als Speaker sehen ;-)

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